Doch nicht nur hier ist die neutrale Datenorganisation der Möbelbranche aktiv: Anika Degenhard, Leiterin Standardisierung des DCC, ist zudem Gesprächspartnerin auf der hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion „Der DPP als Business-Booster“ am Messemittwoch auf der Trend Stage auf dem Nordboulevard vor Halle 8. Ein wichtiges Thema dort: die entscheidende Bedeutung einer einheitlichen Branchenlösung.
Ebenfalls vor Ort sind Stefan Willms (Morphe Information Science), Dr. Holger Berg (Wuppertal Institut) sowie Industrievertreter. Die hier namentlich genannten Teilnehmer werden auf dem von Sascha Tapken moderierten Podium zudem über das Konsortium „Furniture-X“ diskutieren, das sich die flächendeckende, branchenübergreifende Einführung Digitaler Produktpässe (DPP) sowie die Nutzung digitaler Zwillinge zum Ziel gesetzt hat – und das für engagierte neue Mitstreiter jederzeit offen steht.
Das bereits eingangs genannte „Trend Forum Textile & Machinery“ wird thematisch sowie seitens seiner Größe mit rund 370 Quadratmetern der Eyecatcher in der „Polsterhalle“ 10 auf dem Kölner Messegelände. Im Mittelpunkt stehen die ‚brennenden‘, zukunftsweisenden Themen – wie eben gerade der Digitale Produktpass als die DNA eines jeden Erzeugnisses. Von der Gewinnung der Rohstoffe bis zum Ende der Nutzungsdauer validiert der DPP in jeder Stufe des Lebenszyklus alle relevanten Informationen – für B2B ebenso wie die Endgebraucher.
Die Sonderfläche ist in sechs Themenfelder gegliedert und wird – ganz dem Leitgedanken „DPP = Erbgut“ entsprechend – von einer zentralen DNA-Doppelhelix gekrönt. Das Daten Competence Center ist in den Bereichen ‚Herstellung‘ und ‚Nutzung‘ dank der auf Podesten präsentierten zwei Cases der Polstermöbelhersteller Rolf Benz sowie Polipol präsent. Digitale Visualisierungen ergänzen den Messeauftritt.
Beide Ausstellungsstücke stammen von DCC-Mitgliedsunternehmen, die den Datenstandard IDM Living nutzen. Die Designikone „freistil“ aus dem Hause Benz steht stellvertretend für ein modular aufgebautes, dem Gebraucherbedarf „mitwachsendes“ Polstersystem. In Teilen ergänz- bzw. nachkaufbar versteht sich diese Linie für „Freigeister“ konzipiert. Mit Blick auf den DPP und dessen Informationen zu Nachhaltigkeit sowie Kreislauffähigkeit ist zudem die Komplett-Zerlegbarkeit des Freistil-Cases ein wichtiger, vom DCC auf dem Trend Forum kommunizierter Aspekt.
Der zweite Case kommt von der Polipol-Marke Hukla. Der längs „angeschnittene“ Fernsehsessel mit anspruchsvoller Mechanik ist das eher ‚klassische‘ Polstermöbelbeispiel „aus einem Guss“. Natürlich ist auch hier am Ende des Lebenszyklus die Zerlegbarkeit gewährleistet, die Ansprüche an das Recycling und Rückführung in den Stoffkreislauf durch die Materialvielfalt und die komplexe Konstruktion jedoch erheblich anspruchsvoller. Gerade deshalb lässt sich an diesem Beispiel die Bedeutung des Digitalen Produktpasses besonders anschaulich herleiten.
Dessen Ziel ist zum einen der Verbraucherschutz. Der Endgebraucher soll nicht nur alle Informationen über sein gekauftes Produkt bekommen, sondern vor einer Kaufentscheidung alle relevanten Details zur Verfügung haben. Der zweite Aspekt bei DPP ist die bereits mehrfach angesprochene, regulatorisch gewünschte bzw. gewollte Kreislaufwirtschaft, die das Design bzw. die Konstruktion von Möbeln dauerhaft verändert. Denn für die Wiederverwertung (Re-Use), Nachnutzung (Upcycling) oder zumindest Verwertung (Recycling) werden Produktdaten benötigt – und zwar digital!
Genau diese enthält der Digitale Produktpass: neben Metadaten und dem „Lebenslauf“ insbesondere Informationen über die Konstruktion und die (De-)Montage sowie über die verwendeten Materialien. Die tiefgreifenden Auswirkungen der Kreislaufwirtschaft bzw. korrespondierend der DPP bzw. Digitalen Zwillinge wird mutmaßlich aktuell noch unterschätzt, nicht nur in der Möbelbranche. Um dieses Defizit möglichst nachhaltig und schnell abzubauen, ist das Daten Competence Center (fach-)öffentlichkeitswirksam auf Branchen-Fachmessen wie der „interzum“ und wenige Tage später auf der Maschinenbau-Fachmesse „Ligna“ aktiv.